Nationale Regeln & Bestimmungen beim E-Rechnungsempfang durch die öffentliche Hand

Die Zeichen in den nationalen Verwaltungen Europas stehen auf Digitalisierung – auch beim Empfang von Rechnungen. Grund dafür ist die EU-Richtlinie 2014/55/EU.

Sie soll dafür sorgen, dass alle öffentlichen Rechnungsempfänger in der Europäischen Union künftig einheitlich in der Lage sind, elektronische Rechnungsdokumente zu empfangen. Und das größtenteils schon ab April 2019.

Europa – einig E-Rechnungsland?

Die nationalen Ansätze, Techniken und Vorgaben unterscheiden sich in einigen wesentlichen Aspekten, wie wir nachfolgend erläutern:
(Stand November 2018)

Schweiz

Verpflichtung 
B2G-Rechnungen über 5.000 Schweizer Franken müssen seit 2016 elektronisch ausgetauscht werden
Formate/Standards 
swissDIGIN
Plattform/Übermittlung 
Schweizer Service-Provider, PDF-Upload
Weitere Anforderungen 
Rechnungsbeträge zu unterschiedlichen Steuersätzen sowie Rabatte müssen auf Rechnungen separat ausgewiesen werden; Rechnungssumme (auch) in brutto

Italien

Verpflichtung 
ab 01/2019 müssen alle B2B- und B2G Rechnungen über die zentrale Plattform ausgetauscht werden
Formate/Standards
FatturaPA (XML)
Plattform/Übermittlung
Sistema di Interscambio (SdI)
Weitere Anforderungen
Kennzeichnung als „Rechnung“, Rechnungspositionen in netto, Rechnungsbeträge zu unterschiedlichen Steuersätzen sowie Rabatte müssen auf Rechnungen separat ausgewiesen werden, Hinweis auf nationale Regelung bei „Reverse Charge“

Deutschland

Verpflichtung 
Empfänger: Oberste Bundesbehörden (11/2018), restl. Bundesverwaltung (11/2019), Länder/Gemeinden (04/2020)
Versender: Ab 11/2020 müssen Rechnungen an den Bund elektronisch übermittelt werden, wenn sie einen Betrag von 1.000 € überschreiten
Formate/Standards 
XRechnung (CEN), ZUGFeRD 2.0
Plattform/Übermittlung 
E-Rechnungs-Portal (Bund), auf Landes- und kommunaler Ebene andere Lösungen möglich 
Weitere Anforderungen 
Rechnungsbeträge zu unterschiedlichen Steuersätzen sowie Rabatte müssen auf Rechnungen separat ausgewiesen werden

Kroatien

Verpflichtung 
verpflichtend für alle nationalen Auftraggeber der öffentlichen Hand, weitere Regelungen in Arbeit
Formate/Standards 
OASIS UBL 2.1, CII
Plattform/Übermittlung 
e-Račun
Weitere Anforderungen 
diverse Besonderheiten/Angaben

Tschechische Republik

Verpflichtung 
Empfänger: alle Auftraggeber der öffentlichen Hand auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene
Versender: alle Rechnungssteller
Formate/Standards 
EDIFACT, UBL, ISDOC
Plattform/Übermittlung 
Národní elektronický nástroj (NEN)
Weitere Anforderungen 
Rechnungspositionen als Nettobetrag, Rabatte müssen ausgewiesen werden, Rechnungsbetrag in Tschechischen Kronen

Ungarn

Verpflichtung 
(noch) keine Regelung, freiwillig
Formate/Standards 
kein eigener Standard geplant
Plattform/Übermittlung 
keine zentrale Plattform, Austausch von E-Rechnungen auf Basis individueller Vereinbarungen, z.B. per EDI
Weitere Anforderungen 
Seit Mitte 2018 müssen alle ungarischen und in Ungarn für steuerliche Zwecke registrierte Unternehmen bestimmte Rechnungsdaten über das NAV-System (Nemzeti Adó- és Vámhivatal) an die Steuerbehörden übermitteln

Slowakei

Verpflichtung 
(noch) keine Regelung, freiwillig
Formate/Standards 
eigener Standard (CEN) in Vorbereitung
Plattform/Übermittlung 
IT-Lösung in Vorbereitung
Weitere Anforderungen 
unbekannt

Slowenien

Verpflichtung 
B2G-Rechnungen müssen seit 2015 elektronisch ausgetauscht werden
Formate/Standards 
e-SLOG 2.0 (CEN-konform)
Plattform/Übermittlung 
UJP eRačun, meist über Provider
Weitere Anforderungen 
unbekannt